Zum Inhalt springen

Ergonomie in der Küche: So wird Kochen zum Genuss

Aus ColdControlRadio


Meine Küche ist zwar klein, aber ich habe sie so eingerichtet, dass ich mich stundenlang darin aufhalten kann, ohne Rückenschmerzen zu bekommen. Das war nicht immer so. Früher stand ich an der Arbeitsplatte und habe mich ständig nach unten gebeugt, um Töpfe aus dem Unterschrank zu holen. Heute weiß ich: Die richtige Höhe der Arbeitsfläche ist das A und O. Sie sollte etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter unter deinem angewinkelten Ellenbogen liegen. Wenn du größer bist, lohnt sich ein höhenverstellbarer Unterschrank oder einfach ein kleines Podest, auf dem du stehst. So vermeidest du, dass du dich ständig bücken oder die Arme zu weit anheben musst.



Ein großer Fehler in vielen Küchen ist der Platz zwischen Herd und Spüle. Wenn die Wege zu lang sind, trägst du ständig schwere Töpfe hin und her. Meine Freundin hat eine Inselküche mit einem 1,50 Meter langen Arbeitsbereich zwischen den beiden Zonen. Das ist perfekt. In meiner kleinen Küche habe ich den Herd direkt neben der Spüle platziert, mit nur einer schmalen Ablage dazwischen. So kann ich das Gemüse waschen und direkt in den Topf geben, ohne einen Schritt zu viel zu machen. Die Bewegungsabläufe sollten fließend sein, wie ein kleiner Tanz. Das schont nicht nur den Rücken, sondern auch die Nerven.



Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich mir den Rücken verdreht habe, als ich noch in den tiefen Schränken nach dem Mixer suchte. Die Lösung sind Auszüge. Jeder Unterschrank sollte einen Vollauszug haben, damit du alles sehen und erreichen kannst, ohne dich zu bücken. Ich habe sogar einen Auszug für meine Töpfe, wo sie gestapelt sind, aber ich muss nie den schweren Topf von ganz unten holen. Die schweren Sachen kommen nach vorne, die leichten nach hinten. Das klingt banal, aber es macht einen riesigen Unterschied. Meine Mutter hat immer gesagt: Ordnung ist das halbe Leben. In der Küche bedeutet das vor allem ergonomische Ordnung.



Die Höhe des Backofens ist ein weiterer Knackpunkt. Wenn du dich jedes Mal tief bücken musst, um eine schwere Auflaufform herauszuholen, leidet deine Wirbelsäule. Ich habe meinen Backofen auf Hüfthöhe eingebaut. Das ist natürlich nur möglich, wenn du eine neue Küche planst. In meiner Mietwohnung habe ich einfach einen kleinen Klapphocker daneben gestellt, auf den ich die heiße Form abstellen kann, bevor ich sie auf die Arbeitsplatte hebe. Nie wieder in die Hocke gehen. Das schont die Knie und den Rücken. Und für diejenigen, die oft Gäste haben: eine gut erreichbare Abstellfläche ist Gold wert.



Beim Kochen stehst du oft lange an einem Fleck. Deshalb ist eine gute Fußbodenmatte unverzichtbar. Nicht diese dünnen Dinger, die nach zwei Wochen platt sind, sondern eine mit richtigem Profil und einer dicken Schicht. Ich habe eine Matte aus weichem Gummi, die meine Gelenke federt. Früher hatte ich nach einer Stunde Kochen Schmerzen in den Füßen. Heute kann ich drei Stunden am Stück stehen, ohne dass meine Beine schwer werden. Das ist auch wichtig, wenn du eine lange Arbeitsplatte hast und viel hin und her läufst. Die Matte sollte groß genug sein, dass du darauf stehen und dich drehen kannst.



Ein Punkt, den viele vergessen: die Beleuchtung. Wenn du im Schatten arbeitest, neigst du dich automatisch vor, um besser zu sehen. Das führt zu Verspannungen im Nacken. Ich habe unter den Hängeschränken LED-Streifen angebracht, die die Arbeitsfläche direkt ausleuchten. Keine Schatten mehr von meinem Kopf oder meinen Händen. Das ist besonders beim Schneiden von Gemüse wichtig. Und wenn du abends kochst, sorgt eine warme, indirekte Beleuchtung für eine entspannte Atmosphäre. Kein grelles Deckenlicht, das blendet. Das Auge arbeitet dann entspannter, und du auch.



Die Aufbewahrung von Messern und Kochutensilien ist auch ein Thema. Ich habe einen Magnetleiste an der Wand, auf der meine Messer hängen. So muss ich nicht in einer Schublade kramen. Das Gleiche gilt für Kochlöffel und Pfannenwender. Sie hängen an Haken direkt über dem Herd. Alles ist griffbereit, ohne dass ich mich strecken oder bücken muss. Wenn du eine kleine Küche hast, ist das besonders wertvoll. Jeder unnötige Handgriff kostet Zeit und Energie. Und wer abends nach einem langen Tag kocht, will sich nicht noch zusätzlich quälen.



Die Anordnung der Geräte sollte deinen natürlichen Bewegungen folgen. Kühlschrank, Spüle, Herd - das ist das Dreieck. In meiner Küche ist der Kühlschrank links, die Spüle in der Mitte und der Herd rechts. So nehme ich die Zutaten aus dem Kühlschrank, wasche sie an der Spüle und schneide sie auf der Fläche daneben, bevor sie in den Topf kommen. Das ist wie ein Fließband. Kein überflüssiges Hin und Her. Ich habe auch einen kleinen Wagen auf Rollen, auf dem ich schwere Töpfe transportieren kann. Das schont den Rücken enorm.



Zu guter Letzt: die Sitzgelegenheit. Nicht jeder möchte die ganze Zeit stehen. In meiner Küche habe ich einen kleinen Barhocker mit Rückenlehne, auf den ich mich setzen kann, wenn ich Gemüse putze oder Kräuter hacke. Das entlastet die Beine und den Rücken. Viele Küchen haben keine Sitzmöglichkeit, aber ein einfacher Hocker, der unter der Arbeitsplatte verschwindet, ist eine tolle Lösung. So kannst du auch mal eine Pause machen, ohne den Raum zu verlassen. Deine Küche soll ein Ort sein, an dem du dich wohlfühlst, nicht ein Ort der Anstrengung. Mit der richtigen Ergonomie wird das Kochen zum echten Vergnügen.